Hochwasser Sachsen 2010

Ursachen

Im August und September des Jahres 2010 ereigneten sich in Sachsen mehrere Hochwasserereignisse, die mit Ausnahme des Chemnitzer Raumes nicht vom Hochwasser 2002 betroffen waren [1]. Das komplexe Wettergeschehen und die Folgen der Hochwasserereignisse sind in [1] dargelegt und werden hier kurz zusammengefasst wiedergegeben:

Ab dem 7. August 2010 kam es dabei in 2 Abschnitten zu einer Vb-Wetterlage ähnlichen Situation, wobei sich das relevante Tiefdruckgebiet nicht aus der für diese Wetterlage typischen Genua-Zyklone entwickelte, sondern der Kaltfront eines Tiefs über den britischen Inseln entsprang. Das Tief verursachte insbesondere im Gebiet der Lausitzer Neiße, der Spree und den rechtseitigen Nebenflüssen der oberen Elbe auf sächsischem, aber besonders auf tschechischem und polnischem Gebiet starke Niederschläge.

Diese führten entlang der oberen Lausitzer Neiße und ihren Zuflüssen zu einem extremen Hochwasser. An den Neiße-Zuflüssen Jeřica, Mandau, Miedzianka und der Witka waren die Auswirkungen katastrophal.

Auf polnischer Seite wurde der Damm der Talsperre Niedów an der Witka durch die Hochwasserwelle überströmt und brach in der Folge am Abend des 07.08.2010. Die Hochwasserwelle strömte in die ebenfalls Hochwasser führende Lausitzer Neiße, wobei diese einen maßgeblichen Einfluss auf den zeitlichen Ablauf des Hochwassers der Lausitzer Neiße, aber weniger auf den maximalen Wasserstand hatte.

Am Pegel Görlitz wurde am Morgen des 08.08.2010 ein maximaler Abfluss von 1010 m³/s der Lausitzer Neiße registriert, was einem 100 – 200 jährigem Wiederkehrintervall entspricht [1].
Ab dem 9. August setzte dann der zweite Abschnitt der Hochwasserserie ein, als sich das Tiefdruckgebiet über dem Nordostatlantik vertiefte und in den folgenden Tagen über die Benelux-Staaten bewegte. Ab dem 15. August traten in einem schmalen Streifen in Mittel- und Nordböhmen intensive Starkniederschläge auf. Das Tief zog im weiteren Verlauf über Sachsen nach Norden und verursachte Niederschlagsmengen, die in einigen Gebieten das 100 jährige Wiederkehrintervall erreichten.

Vom Hochwasser betroffen waren dabei die Einzugsgebiete der Lausitzer Neiße, der Nebenflüsse der der oberen Elbe, der  Schwarzen und Weißen Elster sowie der Zwickauer Mulde und der Spree.
Der dritte Abschnitt der Hochwasserserie begann ab dem 24. September mit der Bildung des Tiefs „Lya“, das sich dabei zu einem sogenannten Genua-Tief mit einer als „Vb“ klassifizierten nordöstlichen Zugbahn entwickelte. Von den Niederschlägen waren erneut besonders das Erzgebirge und das Lausitzer Bergland betroffen.

Als Schadensbilanz der Hochwasserereignisse vom August und September 2010 im Freistaat Sachsen wird in [1] eine Schadenssumme von 849 Mio. Euro angegeben.

Schadensdokumentation in Sachsen

Unmittelbar nach dem Abklingen der ersten beiden Hochwasserwellen im August 2010 wurde von den Mitarbeitern des Erdbebenzentrums am 18.08.2010 eine Schadensaufnahme an der Lausitzer Neiße zwischen Görlitz und Zittau durchgeführt. In der Zeit vom 24.08.-26.08.2010 wurden zahlreiche weitere Schadensfälle in den anderen betroffenen Regionen in Sachsen dokumentiert.

Ein Schwerpunkt bildete dabei das Gebiet entlang der Elbe in der Sächsischen Schweiz  und den betroffenen rechtseitigen Zuflüssen. Die Schäden konzentrierten sich hier vornehmlich im Kirnitzschtal. Weitere Schadensfälle ließen sich in den betroffenen Ortschaften entlang der Neiße zwischen Görlitz und Bad Muskau sowie flussabwärts entlang der Spree bis Bautzen feststellen.

Neben zahlreichen Schäden an der (Verkehrs-)Infrastruktur (Abb. 1 bis Abb. 6) zeigten sich an den allgemeinen Hochbauten meist normale Durchfeuchtungsschäden (Abb. 7 und Abb. 8).
Davon betroffen waren auch Kulturgüter, wie das Kloster St. Marienthal (Abb. 9) in Ostritz und die Schlossanlagen in Bad Muskau (Abb. 10).

Gegenüber dem Hochwasser 2002 [3], [4] ließen sich allerdings nur vereinzelt stärkere strukturelle Schäden an den Gebäuden identifizieren. Diese waren in der Regel auf die vergleichsweise hohen Fließgeschwindigkeiten in den engen Tälern (Abb. 11), die Bauweisen (Abb. 12) oder auf Ausspüleffekte mit den verbundenen Setzungserscheinungen (Abb. 13) zurückzuführen.

Einige Schadensfälle wurden auch an den entlang der Spree vorhanden historischen Holzbauweisen festgestellt (Abb. 14).

Im Jahr 2011 wurde dann abschließend eine Befragung der Eigentümer der geschädigten Gebäude entlang der Lausitzer Neiße und der Spree bis Bautzen durchgeführt. Die gewonnenen Schadensdaten wurden in die EDAC-Hochwasserschadensdatenbank integriert und fließen somit in die Weiterentwicklung des EDAC-Hochwasserschadensmodells [2] ein.

Abb. 1: Zerstörte Bahnlinie Zittau-Görlitz durch den Übertritt der Lausitzer Neiße in den Berzdorfer See (s. a. [1]).
Abb. 2: Zerstörte Gleisanlagen an der Bahnlinie Zittau-Görlitz (Neiße)
Abb. 3: Straßenschäden durch Ufererosion im Kirnitzschtal (Kirnitzsch)
Abb. 4: Straßenschäden zwischen Grubschütz und Preuschwitz (Spree)
Abb. 5: Zerstörte Fußgängerbrücke in Bad Schandau (Kirnitzsch)
Abb. 6: Zerstörte Brücke bei Taubenheim (Spree)
Abb. 7: Durchfeuchtungsschäden an Wohngebäuden in Görlitz (Neiße)
Abb. 8: Durchfeuchtungsschäden an einem Neubau in Görlitz (Neiße)
Abb. 9: Durchfeuchtungsschäden im Kloster St. Marienthal in Ostritz (Neiße)
Abb. 10: Durchfeuchtungsschäden Schloss Bad Muskau (Neiße)
Abb. 11: Weggerissene Außenwände (Kirnitzsch)
Abb. 12: Schäden an einer Fertigteilbaracke (Kirnitzsch)
Abb. 13: Sicherungsmaßnahmen in Ostritz nach Fundamenterosion (Neiße)
Abb. 14: Geschädigtes Blockbohlenhaus in Schirigswalde (Spree)

Zusammenfassung

Das Hochwasser 2010 hat in den betroffenen Gebieten zahlreiche Schäden an der allgemeinen Bebauung und der Infrastruktur hinterlassen. Schwere strukturelle Schäden wie beim Hochwasser 2002 ließen sich meist nur an der Infrastruktur feststellen. Die Schäden an den allgemeinen Hochbauten beschränkten sich (bis auf wenige Ausnahmen) auf normale Durchfeuchtungs- und Verschmutzungsschäden.

Die Schadensdokumentation und die Datenerhebung im Jahr 2011 dienen dem weiteren Erfahrungsgewinn über die Konsequenzen einer Hochwassereinwirkung und die Ausbildung von Schäden an Bauwerken. Die Auswertungen fließen dabei in die Weiterentwicklung des EDAC-Hochwasserschadensmodells [2] ein.

Literatur

[1] Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2013): Ereignisanalyse Hochwasser im August und September 2010 und im Januar 2011 in Sachsen: publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/12162 (30.11.2016)

[2] Maiwald, H., Schwarz, J. (2011): Ermittlung von Hochwasserschäden unter Berücksichtigung der Bauwerksverletzbarkeit, EDAC-Hochwasserschadensmodell. scientific technical reports 01-11, Zentrum für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden, Universitätsverlag, Bauhaus-Universität Weimar

[3] Schwarz, J., Maiwald, H., Gerstberger, A. (2005): Quantifizierung der Schäden infolge Hochwassereinwirkung: Fallstudie Eilenburg. Bautechnik 82 (2005) 12, 845-856.

[4] Schwarz, J., Maiwald, H. (2007): Berücksichtigung struktureller Schäden unter Hochwassereinwirkung, Bautechnik 84 (2007) 7, 450 – 464.

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