Zeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ am Helmholtz-Zentrum Potsdam und der Bauhaus-Universität Weimar
Im feierlichen Rahmen der Jubiläumsveranstaltung „30 Jahre EDAC“ wurde die am 01.04.2011 beschlossene Kooperationsvereinbarung – damals unterzeichnet vom Rektor Prof. Zimmermann und GFZ-Vorstand Prof. Reiser – mit der 1. Änderung der Anlage erneuert und mit den Unterschriften von Prof. Dr. Susanne Buiter (wiss. Vorstand), Lars-Christina Klinnert (administrativer Vorstand), Prof. Peter Benz (Präsident) und Prof. Dr. Cotton fortgeschrieben (Fotos 1 und 2).
In Session 1 (Natural Hazards: needs and benefits of cooperation) des Workshops zum Thema „Schadensanalyse extremer Naturgefahren“ eingeordnet, wurde einerseits das 30-jährige Bestehen des Zentrums für die Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden an der Bauhaus-Universität Weimar gewürdigt, andererseits vor allem Bilanz der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Potsdam und Weimar gezogen und im Hinblick auf Studium und Wissenschaft neue Themenfelder angesprochen (siehe Fotos 3 bis 5).
Wie der Initiator und langjährige Leiter des Erdbebenzentrums (EDAC) in seinem Vortrag (Foto 6) chronologisch nachvollzog, verbindet die Bauhaus-Universität Weimar und das Geoforschungszentrum Potsdam und ihren Vorgängerinstitutionen (ZIPE, HAB) mehr als vier Jahrzehnten eine enge Partnerschaft, die sich stets in konkreten Formen der Zusammenarbeit und wesentliche nationale und internationale Beiträge auf dem Gebiet der Seismologie bzw. des Erdbebeningenieurwesens geleistet hat (siehe Meilensteine der Zusammenarbeit).
Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen lag es nahe, mit der Erneuerung der Vereinbarung die Schwerpunkte und Kooperationsformate zum gegenseitigen Vorteil beider Einrichtungen inhaltlich neu auszurichten und auch die Verantwortlichkeiten personell neu aufzustellen. Dies findet nun in der 1. Änderungsvereinbarung der Anlage 1 zur Kooperationsvereinbarung seinen Niederschlag. Darin heißt es u.a.:
Die bereits langjährig bestehende, insbesondere durch Dr. Schwarz und Prof. Grünthal begründete, erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen BU Weimar (im Besonderen dem Erdbebenzentrum (EDAC)) und GFZ (im Besonderen der Sektion 2.6, Erdbebengefährdung und dynamische Risiken) soll unter der Leitung von Prof. Abrahamczyk (BU Weimar) und Prof. Cotton (GFZ) weitergeführt, inhaltlich neu ausgerichtet und personell erweitert werden. Thematisch sind dabei die Bereiche Erdbebengefährdung und Spannungsfeld, Erdbebenrisiko und Frühwarnung, Fernerkundung und Geoinformatik, Ingenieurhydrologie, Geoenergie sowie Erdoberflächenprozessmodellierung von besonderem Interesse. Die Einrichtungen benennen hierzu weitere Vertreter, um diese Themengebiete gemeinsam in den Bereichen Forschung und Lehre auszubauen.
Die BU Weimar führt im Rahmen des geplanten Naturgefahren-Kompetenzzentrums und des Studienganges NHRE auch künftighin Einsätze nach Naturkatastrophen durch und setzt die Tradition und Erfolgsgeschichte der Deutschen Taskforce Erdbeben, vormals initiiert vom und mit Sitz am GFZ institutionalisiert, entsprechend ihrer Möglichkeiten fort.
Es ist beabsichtigt, Herrn Dr. Schwarz und einen zu benennenden Kollegen des GFZ in einen Studiengangrat des Studiengangs NHRE einzubinden, um ihre Expertise für den Studiengang wirken zu lassen.
Meilensteine der Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit begann mit den Herausforderungen, die seismologischen Grundlagen für das in Planung befindliche Kernkraftwerk Stendal bereitzustellen. Diese Aufgabe wurde in zunehmend fundierter Form durch Gottfried Grünthal und Jochen Schwarz wahrgenommen, die letztlich auch die Verhandlung in diesem Feld mit den sowjetischen Vertragspartnern zu führen hatten. Im Ergebnis stand ein konkreter Projektierungsvorschlag für die seismischen Einwirkungen, der auch heutigen Maßstäben standhält. Die kongeniale Ergänzung der Einrichtungen und Personen führte nach Herausgabe des Erdbebenkataloges für die DDR zu konkreten Maßnahmen der ingenieurtechnischen Umsetzung. Neben der Gründung der Erdbebengesellschaft sind die Überprüfung der Typenprojekte im Wohn-, Industrie- und Gesellschaftsbau – hier wurden (heute kaum vorstellbar) Kombinate in die Nachweispflicht genommen – und die sehr kurzfristige Einführung erster Baurichtlinien hervorzuheben.
Zu erinnern ist an die gemeinsame Erarbeitung einer Erdbebenbaunorm für das Territorium der DDR, insbesondere jedoch an die bereits 1989 initiierte Arbeitsgruppe zur Herausgabe der „European Macroseismic Scale“. Dass diese Arbeiten bis heute andauern, mag Ausdruck der Anerkenntnis sein, dass vornehmlich in Zusammenarbeit mit den Ingenieurwissenschaften gesellschaftlich relevante Themen gelöst werden können. Als das wohl besonders verdienstvolle und hervorzuhebende Ergebnis dieser Zusammenarbeit wird in der Historie die Etablierung der Deutschen Task Force Erdbeben einzuordnen sein, die als Beitrag Deutschlands zur International Decade of Natural Disaster Reduction IDNDR - einer UN-Initiative für die Jahre 1990-1999 - nicht nur international Anerkennung gefunden, sich zudem in vielen Einsätzen bewährt und mit dem Task Force Komitee nationale Experten zusammengeführt und an die vorgenommenen Auswertungen hohe qualitative Anforderungen formuliert hat. Den neuen Herausforderungen dieser Zusammenarbeit wurde seitens der Bauhaus-Universität mit der Konzeption und Etablierung des Earthquake Damage Analysis Center (EDAC) in 1996 Rechnung getragen.
Zur Herausstellung dieser Zusammenarbeit in beiden Einrichtungen wurde am 01.04.2011 vom Präsidenten Prof. Reiser und Rektor Prof. Zimmermann eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die sich inhaltlich neben der gemeinsamen Auswertung von weltweiten Starkbebenereignissen vornehmlich auf die ausbildungswirksame Mitwirkung im internationalen Masterstudiengang Natural Hazards and Risks in Structural Engineering (NHRE) konzentrierte. Die Lehrtätigkeit von Gottfried Grünthal wurde mit einer Honorarprofessur gewürdigt. Er, in der Nachfolge Prof. Fabrice Cotton, und Jochen Schwarz stehen für die Fortführung dieser bemerkenswerten, in Deutschland wohl einmaligen Partnerschaft. Die Einrichtungen in Potsdam und Weimar haben seit 1990 die Erdbebenbaunormung in den Grundlagen Gefährdung und Einwirkungsbeschreibung geprägt und bestimmt. Dies lässt sich an der Vielzahl gemeinsamer Publikationen nachvollziehen und hat mit dem Nationalen Anhang zum Eurocode 8 (Auslegung von Bauwerken gegen Erdbeben) seinen vorläufigen Abschluss gefunden.
Diese Zusammenarbeit hat dazu beigetragen, dass im Deutschen Forschungsnetzwerk Naturgefahren (DFNK) erstmals eine Synopse der Naturgefahren am Beispiel Köln erfolgreich und ergebniskonkret durchgeführt werden konnte. Auf diese Arbeiten konnte auch die Risikostudie Erdbeben, die vom GFZ im Auftrag des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernommen wurde, aufbauen. Die dafür erforderlichen Verletzbarkeitsmatrizen der Bauweisen wurden vom EDAC kollegial bereitgestellt. Nicht zuletzt ist zu erwähnen, dass im Mai 2026 den Studierenden des Masterstudienganges NHRE nun zum 20. Mal der Workshop Natural Hazards and Risks in Structural Engineering am GFZ in der Organisation von Prof. Cotton und EDAC angeboten werden kann.
